‘Nep-embryo’s’ of ‘natuurlijke’ embryo’s?
Laat het ‘echte’ embryo opstaan.
9. April 2026
Jaap van der Wal, MD PhD, Anatom, Embryologe und Phänomenologe
Etwa 2700 Wörter – Lesezeit 11 bis 14 Minute
Einleitung (bezogen auf die Gesetzeslage in den Niederlanden – kann bei Bedarf übersprungen werden
In Kúrze [1] muss das niederländische Parlament über mögliche Anpassungen und Änderungen des Embryonengesetzes beraten. Dabei wird es unter anderem um den Status der sogenannten „Fake-Embryonen“ gehen. Das sind menschliche Embryonen, die seit einigen Jahren im Labor hergestellt werden können und für wissenschaftliche embryologische Forschung genutzt werden. Am 16. Dezember 2025 wurde im Unterhaus ein Gesetzentwurf angenommen (Initiativgesetzentwurf – Paternotte und Bevers), in dem das bisher geltende Verbot aufgehoben wird, Embryonen, die durch „künstliche Befruchtung“ (IVF) entstanden sind, für wissenschaftliche Forschung zu verwenden. Jetzt liegt ein zweiter Gesetzentwurf vor, nämlich die Definition des Embryos so zu ändern, dass auch sogenannte „synthetische“ Embryonen oder „künstliche Embryonen“ als Embryonen gelten. „Eine Zelle oder eine zusammenhängende Gruppe von Zellen mit der Fähigkeit, sich zu einem Menschen zu entwickeln.“ Der aktuelle Gesetzentwurf bezeichnet alles als Embryo, was „vernünftigerweise“ so aussieht; somit werden durch die Definitionsänderung auch diese „Gebilde“ aus dem Labor künftig rechtlich gesehen ebenfalls zu Embryonen, genau wie „natürliche“ Embryonen. Es handelt sich um Embryonen, die aus Stammzellen hergestellt werden (es wurden auch Techniken entwickelt, bei denen weder Spermien noch Eizellen zum Einsatz kommen), von manchen auch als „Pseudo-Embryonen“ bezeichnet. Der letzte Begriff wurde von Erik Vrij, Embryologe an der Universität Maastricht, in der NPO-TV-Dokumentation Schwanger dank der Wissenschaft vom 24. Februar 2026 geprägt.
Fake oder echt
Die Diskussion dreht sich darum, ob es wissenschaftlich korrekt und ethisch vertretbar ist, beide Arten von Embryonen unter das Embryonengesetz fallen zu lassen. Ein weiterer Diskussionspunkt ist die Frage, ob eine mögliche Gleichstellung unbeabsichtigt die Tür zur Möglichkeit des Klonens von Menschen öffnen könnte, was bisher immer noch gesetzlich verboten ist. Die Experten, die mit diesen „Scheinembryonen“ arbeiten, scheinen in einen Zwiespalt zu geraten. Einerseits argumentieren einige, dass diese Embryonen „künstlich“ und „synthetisch“ sind und daher nicht als „natürlich“ oder „echt“ betrachtet werden sollten, andererseits wird argumentiert, dass sie sich genauso verhalten wie „echte“ Embryonen. Das letztgenannte Argument würde (wenn es denn wahr wäre!) diese Embryonen für die wissenschaftliche Erforschung der frühen menschlichen Embryonalentwicklung geeignet machen, was bisher aus technischen Gründen unmöglich ist (menschliche Embryonen sind nach der Einnistung in die Gebärmutter nicht mehr für direkte wissenschaftliche Forschung zugänglich). Werden die Abgeordneten der Zweiten Kammer fachkundig genug sein, um diese Argumente für und gegen einander abzuwägen? Was steht auf dem Spiel? Wenn diese künstlichen Embryonen mit echten Embryonen gleichgestellt werden, gilt auch die 14-Tage-Frist [2] für diese Embryonen. Vielleicht wollen Wissenschaftler mit Hilfe dieser synthetischen Embryonen über diesen Zeitraum hinaus forschen? Ein schwieriges Dilemma?
In Fachkreisen werden für die sogenannten „Fake-Embryonen“ oft vorsichtige, euphemistische (?) Begriffe verwendet. Man spricht von „synthetischen“ Embryonen oder „Embryo-Modellen“ sowie von Embryoiden und Blastoiden, was so viel bedeutet wie embryoähnlich oder blastulaähnlich [3] Ein häufig verwendeter Begriff ist auch Embryo-Like Structures (ELS). Was macht diese Embryonen dann möglicherweise „anders“ als „natürliche“ Embryonen? Normalerweise entsteht sowohl in vivo als auch unter den Bedingungen der künstlichen Befruchtung (IVF) eine Zygote. Das ist das allererste einzellige Stadium des menschlichen Embryos, das durch die (ggf. erzwungene) Verschmelzung zweier Keimzellen, eines Spermiums und einer Eizelle, entsteht. Keimzellen sind hochspezialisierte Geschlechtszellen. Bei der Verschmelzung (Befruchtung) kommen nicht nur die Kerne der beiden Keimzellen zusammen, wodurch die halbe (halbierte) Anzahl an Chromosomen (23) beider Zellen zur normalen Anzahl von 46 Chromosomen zusammengefügt wird. Es kommen auch andere Zellorganellen und Substanzen hinzu, die beispielsweise die erste Teilung der Zygote ermöglichen und auch die DNA der Zygote über sogenannte epigenetische Faktoren in einen anderen Aktivitätszustand („Genexpression“) versetzen.
Diese „ELS-Embryonen“ haben eine völlig andere Entstehungsweise und sind sehr unnatürlichen Ursprungs. Von einer Person werden sogenannte somatische Zellen, zum Beispiel Hautzellen, entnommen und mit biochemischen Instrumenten zu sogenannten Stammzellen umprogrammiert. Das sind Zellen, die genetisch noch nicht auf eine bestimmte Funktion spezialisiert sind und oft als „omnipotent“ bezeichnet werden („im Prinzip ist noch alles möglich“); sie weisen damit eine gewisse Ähnlichkeit mit einer Zygote auf, haben aber einen ganz anderen Ursprung. Eine Gruppe von etwa 120 dieser Zellen wird zusammengefügt, indem man sie in bestimmten trichterförmigen Kammern („Shakers“) zusammenbringt. Dort neigen sie dazu, „aneinander zu wachsen“, und so entsteht ein Zellklumpen. Und dieser Zellklumpen ähnelt wiederum dem zuvor erwähnten Morula-Stadium. Die Morula ist der mehrzellige Embryo, der sich nach ein, zwei oder drei Tagen aus der einzelligen Zygote entwickelt, indem diese eine Reihe sogenannter Zellteilungen durchläuft. Eine solche Morula besteht aus acht und nach einigen Teilungen sogar aus 64 Zellen, die im Prinzip noch identisch sind (zumindest genetisch) und auch als eine Form von Stammzellen betrachtet werden können. Der künstlich erzeugte Zellklumpen (also ein ELS) beginnt sich dann, wenn bestimmte molekulare Substanzen hinzugefügt werden, in verschiedene Zelltypen und Gewebe zu differenzieren.
In der Literatur wird dies manchmal als spontaner Prozess bezeichnet, aber dieses „spontan“ sollte man angesichts der chemischen Manipulationen, die durchgeführt werden müssen, um all dies zu bewirken, mit wissenschaftlicher Vorsicht betrachten. An anderer Stelle wird der Begriff Engineering verwendet, der besser beschreibt, was hier vor sich geht. Nach einiger Zeit entsteht sogar ein Stadium, in dem der Embryo die grundlegende Organisation eines tierischen Körpers annimmt, das sogenannte Gastrula-Stadium, mit Vorläufern von Organen (Gastruloiden). All dies lässt sich durch die gezielte Zugabe bestimmter epigenetischer oder morphogenetischer Substanzen steuern und manipulieren. Manche rekonstruieren auf diese Weise die ersten Schritte der Gehirn- und Herzbildung, Prozesse, die normalerweise um den 22. Tag der menschlichen Entwicklung stattfinden. Bei Mäusen wurden bereits Embryoide gezüchtet, die eine Kopf-Schwanz-Achse, eine Rücken-Bauch-Achse und eine Links-Rechts-Achse entwickeln, mit Organen im primitiven Stadium und an der richtigen Stelle. Man kann auch schon die Entwicklung eines Teils des Embryos ausschalten, wie zum Beispiel den zuvor erwähnten Trophoblast, aus dem sich normalerweise die Plazenta entwickelt!
Manche Embryologen werden solche Entwicklungen natürlich als einen riesigen Sprung nach vorne betrachten. Denn es gibt ihnen die Möglichkeit, die frühe Embryonalentwicklung, die sich normalerweise dem forschenden Auge entzieht (da sie in der „Black Box“ der Gebärmutter stattfindet), nun im Labor zu untersuchen und damit zu experimentieren. In verschiedenen Artikeln, in denen diese Experimente beschrieben werden, wird auch betont, dass sich diese Embryonen nicht zu einer normalen, voll ausgetragenen Schwangerschaft entwickeln können, da sie sich nämlich nicht in einer Gebärmutter einnisten (Implantation). Normalerweise nistet sich eine Blastula, die ein paar Tage alt ist, in die Gebärmutterschleimhaut ein, wobei der Embryo auch die ersten Anfänge der Plazenta entwickelt. Die Entwicklung bis zur Geburt findet dann im Prinzip innerhalb dieser Plazenta statt, also in metabolischer Wechselwirkung mit dem mütterlichen Organismus. Ob in diesem Zusammenhang jemals eine künstliche Gebärmutter entwickelt und eingesetzt werden könnte, ist derzeit (glücklicherweise?) noch eine Frage der Science-Fiction. Es könnte der Eindruck entstehen, dass man den künstlichen und „unechten“ Charakter dieser Embryoide betont, um nicht den Eindruck zu erwecken, man sei darauf aus, künstliche Embryonen zu erschaffen, die außerhalb des mütterlichen Körpers zu Kindern heranwachsen könnten, während mit solchen Praktiken die Möglichkeit dazu durchaus geschaffen wird.
Es gibt noch etwas, das diese „unechten Embryonen“ vielleicht zu einer Revolution im Bereich der embryologischen Forschung macht, aber gleichzeitig ein dringendes Argument dafür darstellt, diese Embryonen keinesfalls als normal oder natürlich anzusehen. Letztendlich entstehen diese Embryonen nicht aus der Vereinigung von Spermium und Eizelle, sondern sind faktisch Klone einer bestimmten Person. Es gibt also weder biologisch noch genetisch gesehen Eltern. In dem oben genannten Gesetzesentwurf werden zwar auch Embryonen für wissenschaftliche Forschung verwendet, diese werden jedoch aus gespendeten Spermien und Eizellen hergestellt. In dem (vorerst) theoretischen Fall, dass man die hier gemeinten „Schein-Embryonen“ zu einem voll ausgetragenen Fötus oder Kind heranwachsen lassen würde, wäre also von der Geburt eines geklonten Menschen die Rede. Bislang ist es (politisch gesehen) noch allgemein anerkannt, dass die Geburt geklonter Menschen verboten bleiben muss. Die Embryonen, die mittels der ELS-Technik erzeugt und ausschließlich für Forschungszwecke verwendet werden, sind faktisch bereits menschliche Klone. Zwar werden sie bislang für wissenschaftliche Forschung „genutzt“, doch ist eine fortschreitende Entwicklung natürlich durchaus denkbar, und dann würde die Geburt eines menschlichen Klons ermöglicht werden [4]. Die Frage ist jedoch, ob wir den Schritt zur Erzeugung geklonter Menschen auf diese Weise wirklich gehen wollen.
Der Widerspruch besteht darin, dass man solche künstlich erzeugten Embryonen aus wissenschaftlicher Sicht als repräsentativ für die normale Embryonalentwicklung ansieht. Im Extremfall müsste man also nachweisen können, dass ein solcher Embryo tatsächlich zu einer voll ausgetragenen Schwangerschaft führen und einen normalen Menschen hervorbringen könnte. Dies könnte also zur Erzeugung von „Falschkindern“ (?) führen. Dabei müssen wir uns auch ernsthaft fragen, wer für diese Kinder verantwortlich ist. Wem „gehören“ solche Kinder? Sind sie überhaupt Rechtspersonen? Letztendlich kann dann eine ethisch und moralisch so verzerrte Situation entstehen, dass man besser gar nicht erst damit anfängt.
Zurück zum Dilemma. Einerseits betont man offenbar gerne, dass es sich um unnatürliche Embryonen handelt (daher der Begriff „Fake-Embryonen“), mit denen man die frühen Stadien der menschlichen Entwicklung, die sich normalerweise in der „Black Box“ der Gebärmutter abspielen, in vitro verfolgen kann. Andererseits betrachtet man diese „Embryo-Modelle“ aber als repräsentativ für die „echte“ Embryonalentwicklung. Das ist, als würde man auf zwei Hochzeiten tanzen. Es gibt nämlich keinerlei Hinweis darauf, dass das, was für die künstlichen Embryonen gilt, auch für echte Embryonen gilt. Wie dem auch sei, es wird eifrig nach Argumenten gesucht, um zu zeigen, dass sich künstliche Embryonen genauso entwickeln wie echte Embryonen. In der Biologie wird in solchen Fällen das Argument der Homologie herangezogen. Homologie bedeutet „sich ähneln“. In der Volkskrant vom 7. Juli 2023 wird (vielleicht unbeabsichtigt) genau in Worte gefasst, worum es hier geht: „Große Aufregung in der Wissenschaft: Noch nie ähnelten künstliche menschliche Embryonen dem Original so sehr.“ Und wenn es so aussieht, dann muss es ja (fast) dasselbe sein.
Als ich damals Medizinstudenten Bilder von den frühen Stadien der menschlichen Entwicklung zeigte, kam schnell die Diskussion über Homologie auf. Dass ein früher menschlicher Embryo „tierähnlich“ aussieht, bedeutet noch lange nicht, dass es sich auch um eine tierische Form handelt. Zu Beginn des letzten Jahrhunderts wurde die Ähnlichkeit zwischen dem menschlichen Embryo und tierischen Formen als Beweis dafür angesehen, dass die embryonale Entwicklung des Menschen eine Art Rekapitulation seiner evolutionären Entwicklung sei. (Für viele Menschen ist das heute auch das gängige Argument, den Menschen als eine weitere Tierart zu betrachten.) Diese auf Homologie basierende These hält jedoch nicht stand, wenn man bedenkt, wie unterschiedlich die Entstehung der beiden verglichenen Formen tatsächlich ist. In der Evolution findet eine ständige Veränderung des Genoms der Arten statt (Mutation), bei der Embryonalentwicklung ist das nicht der Fall. Dass zwei Dinge gleich aussehen, ist noch kein Argument dafür, dass es sich auch um dasselbe handelt. Aber offenbar ist sich dessen nicht jeder bewusst. So hört man in der Diskussion darüber, ob „embryoähnliche“ Gebilde und Embryonen gleich oder gleichwertig sind, heutzutage Biologen den sogenannten Enten-Test [5] auss der Schublade ziehen. In diesem Zusammenhang argumentiert Gert Jan Veenstra, Molekularentwicklungsbiologe an der Radboud-Universität, wie folgt: „Wenn es wie ein menschlicher Embryo aussieht, die Gene eines menschlichen Embryos hat und wie ein menschlicher Embryo funktioniert, dann ist es mit großer Wahrscheinlichkeit ein menschlicher Embryo“.
Das ist zu einfach und eigentlich sehr unbiologisch. Das hängt auch damit zusammen, dass die üblicherweise verwendete Definition eines Embryos lautet: „Eine Zelle oder ein zusammenhängendes Zellgefüge mit der Fähigkeit, sich zu einem Menschen zu entwickeln.“ In dieser Beschreibung steckt ein Vorurteil, das (meiner Meinung nach) auf einer überholten reduktionistischen Biologie basiert. In der Entwicklungsbiologie geht es um das Werden, um Prozesse und nicht nur um Formen oder Aufbau („Anatomie“). Eine Zygote ist keine Zelle, sondern ein einzelliger menschlicher Organismus, also ein „Körper“. In einer eher organistischen Auffassung der Biologie ist ein Embryo nicht etwas, das sich zu einem Menschen entwickeln wird – außerdem wird nie klar angegeben, wann er dann „fertig“ wäre und somit kein Embryo mehr –, sondern genau wie jedes Lebewesen ein Erscheinen in der Zeit. Ein autopoietisches Wesen, das sich ein Leben lang selbst formt, organisiert und aufrechterhält. Und ganz sicher kein maschinenähnliches Ding, das aus Teilen zusammengesetzt ist und erst funktionieren kann, wenn es fertig ist. Ein Organismus ist von Anfang an funktionsfähig, was man von einem Gerät oder einer Maschine nicht behaupten kann
Der Enten-Test lässt sich also nicht so einfach anwenden. Nimm den Fall der synthetischen Embryonen, die als künstlich geformte „Zellklumpen“ präsentiert werden und damit dem 2 bis 3 Tage alten Morula-Stadium des menschlichen Embryos ähneln sollen. Die menschliche Morula wird nur allzu oft als „Zellklumpen“ bezeichnet, oft auch mit dem spöttisch-reductionistischen Unterton: „Ach, ein menschlicher Embryo ist doch nichts anderes als ein Zellklumpen“. Wieder das oft verwendete „Noch-nicht“-Prinzip eines Embryos. Wie entsteht dieses Zellklümpchen im „echten“ und im „künstlichen Embryo“? Muss man sie dann mit einer Art Netz zusammenbringen? So läuft es tatsächlich ungefähr bei der Herstellung von künstlichen Embryonen ab. Man bringt sie in einem mit einer bestimmten Flüssigkeit gefüllten Trichter (einem sogenannten Shaker) zusammen und zwingt sie mehr oder weniger dazu, miteinander in Kontakt zu treten. Wie völlig anders verläuft das in vivo bei der Morula. Die Zygote ist ein einzelliger Mensch, und dieser einzellige Organismus wird sich anschließend durch die Vermehrung der Zellzahl teilen. Die Morula ist also ein mehrzelliger menschlicher Organismus, ein Ganzen, das sich aus mehreren Zellen geordnet hat. Es sieht zwar aus wie ein Zellklumpen, ist es aber eigentlich nicht. In der Evolution, so gehen Biologen heutzutage mit ziemlicher Sicherheit davon aus, gab es irgendwann in der fernen Vergangenheit eine Gruppierung primitiver einzelliger Organismen, die anschließend – wahrscheinlich weil es einen Überlebensvorteil bot – Kolonien bildeten. Und so entstanden vielzellige Organismen aus der Zusammenballung von Einzellern: Das Ganze ist das Ergebnis der Zusammenfügung der Teile (das Bausteinprinzip). Die Vielzelligkeit einer Morula entsteht jedoch auf ganz andere Weise, nämlich dadurch, dass ein einzelliger Organismus durch Zellteilungen zu einem vielzelligen Organismus wird (die Teile entstehen sozusagen aus dem Ganzen). Was soll das mit Homologie? Embryologen bringen in Reagenzgläsern Klümpchen von „Stammzellen“ zusammen, bauen also buchstäblich einen Embryo zusammen, der dann, gesteuert durch „epigenetische“ Faktoren, wie ein menschlicher Embryo aussieht und sich auch so verhält. Und das wäre dann dasselbe wie eine „normale“ Morula? Übrigens weiß niemand mehr, ob sich diese „Entwicklung“ spontan in einem Reagenzglas fortsetzen kann, ohne intensiven Stoffwechselkontakt mit einem mütterlichen Organismus. Wie sollte man das beweisen? Indem man versucht, sie heranwachsen zu lassen? In einer künstlichen Gebärmutter oder so? Und werden das dann „Fake-Kinder“ und „Fake-Menschen“?
Bei der Herstellung von künstlichen Embryonen aus Stammzellen werden die Zellen zusammengebracht, indem man sie in einem Nährmedium mit einem speziellen Cocktail aus Proteinen und Wachstumsfaktoren zusammenführt, der die Stammzellen zur Teilung und Selbstorganisation zu einer kugelförmigen Struktur anregt, die einem frühen Embryo ähnelt. Wissenschaftler fügen einen „ausgeklügelten Cocktail aus Proteinen“ hinzu, der die Stammzellen dazu anregt, sich zu teilen und zu entwickeln. Das nennt man dann: „Die zusammenhängenden Stammzellen werden zur Kommunikation und Selbstorganisation angeregt“.
Bei all dem muss auch betont werden, dass es bei dem gesamten Prozess also auch um Klonen geht, um genetische Kopien bestehender menschlicher Personen. Das reproduktive Klonen von Tieren wird bereits in großem Umfang angewendet, aber dabei gibt es sehr viel „Kollateralschaden“ in dem Sinne, dass viele der geklonten Tiere genetische und andere Anomalien aufweisen oder manchmal sogar überhaupt nicht lebensfähig sind. Nur ein kleiner Prozentsatz der geklonten Embryonen entwickelt sich normal weiter. Meiner Meinung nach sollten wir einfach vernünftig sein und die Diskussion über Homologie sein lassen, wie sie ist. Es gibt jedenfalls genügend Argumente, diese sogenannten „Pseudo-Embryonen“ nicht als normale Embryonen anzusehen und auch keinerlei Forschung zu dulden, die versuchen würde, das zu beweisen. Und vor allem nicht, sie per Gesetz als gleich und damit möglicherweise gleichwertig einzustufen.
Der jetzt vorliegende Gesetzentwurf basiert auf der erhofften Ähnlichkeit zwischen synthetischen „Embryonen“ und echten Embryonen. Aber der Unterschied zwischen synthetischen „Embryonen“ und echten Embryonen ist wichtiger als die Ähnlichkeit. Dieser Unterschied verschwindet durch den vorliegenden Gesetzentwurf, während er eigentlich klar beibehalten werden müsste. Das lässt sich nur in einem neuen Gesetz, losgelöst vom Embryonengesetz, gut regeln. Eine Änderung des Embryonengesetzes in der jetzt vorgeschlagenen Richtung verschleiert faktisch das Klonen von Menschen und überschreitet Grenzen, indem sie gleichstellt, was nicht gleich ist.
[1]Zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Artikels für den 15. April 2026 geplant
[2] In den Niederlanden wird, wie in vielen Ländern, die Grenze, bis zu der Embryonen zu Versuchszwecken gezüchtet und untersucht werden dürfen, auf 14 Tage nach der Befruchtung festgelegt. Auch bei der oben genannten Gesetzesänderung wurde an dieser Frist nicht gerüttelt.
[3] Blastula ist die Bezeichnung für einen wenige Tage alten menschlichen Embryo, der wie eine Blase aussieht, in deren Mitte sich exzentrisch ein Zellkern befindet, der als Embryoblast oder innere Zellmasse bezeichnet wird und oft als der „eigentliche Embryo“ bezeichnet wird. Die Wand der Blase, der Trophoblast oder die äußere Zellmasse, entwickelt sich zur späteren Plazenta.
[4] Ein Missverständnis (das von einem Staatssekretär geäußert wurde) ist, dass nur dann von Klonen von Menschen die Rede ist, wenn ein Kind aus einem geklonten Embryo geboren wird. Biologisch gesehen ist jeder Organismus, der genetisch identisch mit einem anderen Organismus ist, ein Klon. Das Stadium und die Frage, ob er geboren wurde oder nicht, spielen dabei keine Rolle. Nach Ansicht des Staatssekretärs müssten die „Pseudo-Embryonen“ also als „Noch-nicht-Klon“ betrachtet werden. Dann wird die Definition von „echt oder nicht“ allerdings sehr vage.
[5] Wikipedia: Der Enten-Test: Wenn es wie eine Ente aussieht, wie eine Ente schwimmt und wie eine Ente quakt, dann ist es wahrscheinlich eine Ente. Der Dichter James Whitcomb Riley (1849–1916) soll diese „Regel“ geprägt haben.